Die Integrale Planung

15. November 2015     / /

Die Integrale Planung ist der Schlüssel für zukunftsfähige Gebäude.
Darum widmet sich die erstmalig im November 2015 erschienene Fachzeitschrift „Integrale Planung“ des Heizungs-Journal Verlags diesem Thema und beleuchtet die Hintergründe und den konkreten Praxisnutzen. Unser Geschäftsführer Tobias Schneider durfte sein Expertenwissen im Interview mit dem Chefredakteur Jörg Gamperling weitergeben. Den Originalartikel finden Sie in der Novemberausgabe 2015 der Integralen Planung auf den Seiten 92/93.

Die Notwendigkeit einer guten Software wird häufig unterschätzt!
Die Integrale Planung als künftig zwingende Notwendigkeit für jeden Planer, BIM als Methodik – vieles davon bewegt sich aktuell noch im eher theoretischen Raum. Die Redaktion der „Integralen Planung“ sprach deswegen mit Tobias Schneider. Als junger TGA-Fachplaner muss er in seinem Unternehmen Schneider Gebäudetechnik schon heute die Weichen für die Planung von Morgen stellen. „Schneider Gebäudetechnik“ ist ein unabhängiges technisches Büro mit den Leistungen TGA-Planung, Energiemanagement und Anlagenoptimierung für Industrie- und kommunale Bauten sowie private Hausbauer. Dem Selbstverständnis folgend gehört dazu unter anderem vom Beginn der ersten Planungsschritte  bis  zur  Übergabe  der  Anlage  eine  konsequente  fortlaufende Dokumentation mit Qualitätsstandards in Anlehnung an die HOAI.

Eine heterogene Arbeitsweise in Sachen Software Nutzung
Jörg Gamperling: Schaut man in deutsche Ingenieur- und Planungsbüros hinein, so bietet sich in Sachen Software-Nutzung  ein heterogenes Bild. Auf der einen Seite wird standardisiert, durchgängig und gut dokumentiert mit komplexen Werkzeugen  gearbeitet,  auf der anderen Seite herrscht eher kreatives Chaos – dutzende Programme und „Progrämmchen“ werden je nach  Anforderung „virtuos“ genutzt. Nutzen Sie in Ihrem Unternehmen „Software aus einer Hand“? Wenn ja, warum und wie?

Tobias Schneider: Bei Schneider Gebäudetechnik wird mit etwa einer Handvoll unterschiedlicher Programme gearbeitet. Wir wollen für unsere Kunden beste Arbeit abliefern. Das können wir nur  mit den aktuell am Markt besten und bewährten Tools. Dabei unterscheiden wir zwischen technisch relevanten Systemen und Dokumentensystemen. Für uns ist es beispielsweise wichtig, ein CAD System zu verwenden, das Schnittstellen innerhalb der Gewerke HLSKE sowie zu externen Architekten und Ingenieurbüros hat. Dies sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Für die interne Kommunikation verwenden wir ein Dokumentenmanagementsystem, das den kompletten Schriftverkehr, Dokumente, Mängelmanagement und Kontaktdaten bündelt und einem Projekt zuweist. So wird langes Suchen vermieden und jeder Mitarbeiter hat immer die gleichen und aktuellsten Informationen.

Die Entscheidung für eine Software
Jörg Gamperling: Worin liegen Ihrer Erfahrung nach die Probleme für Planer, sich für ein durchgängiges Software-Konzept zu entscheiden? Sind es Kostenfragen oder Know-how-Fragen?

Tobias Schneider: Meiner Meinung nach wird oftmals die Notwendigkeit einer guten Software völlig unterschätzt – vor allem in kleineren Unternehmen.  Aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen  rechnet sich ein sinnvolles Programm jedoch nach kurzer Zeit.

Die Must-Haves eines Ingenieurbüros
Jörg Gamperling: Die  Softwarelandschaft  ist  in  ständiger  Bewegung.  Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Branche schnelllebig  ist.  Welche  Konstanten  bzw.  „must-haves“  benötigt
ein Ingenieur- und Planungsbüro in Sachen Gebäudetechnik-Software Ihrer Einschätzung nach, um in Zukunft mithalten zu können?

Tobias Schneider: Ein rechenstarkes CAD-System, das auch graphische Darstellungen exzellent ausgeben kann und real rechnet (3D-Visualisierung). So werden auch komplexe Bauten für Kunden einfachst visualisiert. Ein übergreifendes CAD-System, das Schnittstellen zu anderen Programmen hat und so ein einfaches interdisziplinäres Arbeiten ermöglicht. Zuletzt ein übersichtliches System, das einfach zu bedienen ist.

Die 3D Visualisierung von Gebäudetechnik
Jörg Gamperling: Im Hinblick auf das Thema Qualität wird seit einiger Zeit die 3D-Planung von Gebäudetechnik hoch gehandelt. Nutzen Sie diese Anwendung? Wenn ja, warum und wie?

Tobias Schneider: Ja, wir arbeiten mit entsprechender Software, um Gebäude auch in 3D zu visualisieren. Für uns hat sich diese Mehrarbeit bisher bei jedem Projekt gelohnt. Kollisionen durch übergreifende Gewerke-Einbindungen in das CAD-System werden bereits in der Planung zeitnah erkannt und die anschließende Montage durch eine gute Planung erheblich vereinfacht und beschleunigt.

Building Information Modeling (BIm)
Jörg Gamperling: Beim  Thema  Prozessqualität  innerhalb der Planung, des Baus und Betriebs von Gebäuden scheint Building Information modeling (BIm) für die kommenden Jahre der bestimmende Treiber zu sein. Sind Sie mit der Arbeitsweise vertraut bzw. schon in BIm-Projekten aktiv?

Tobias Schneider: In einigen Projekten konnten wir die Vorteile zusammen mit Architekten schon nutzen. Andere Architekten gehen der 3D- und somit auch BIM-Arbeitsweise noch aus dem Weg und müssten über die Vorteile noch mehr aufgeklärt werden. Dazu ist es günstig, auch den Bauherrn zu informieren und mit ins Boot zu holen. Denn er profitiert schon heute von einem reibungs­loseren Ausführungsprozess und einer starken Reduzierung von Nachträgen.

Die Umsetzung von Building Information Modeling (BIm)
Jörg Gamperling: Fehlen Ihrer Einschätzung nach gesetzliche oder normative Rahmenbedingungen, um dem Thema BIm die nötige Marktakzeptanz zu verleihen? Oder steht und fällt BIm mit den Themen Qualifikation der Beteiligten, Honorarordnung und Schnittstellen?

Tobias Schneider: Wer innovativ ist und argumentativ überzeugen kann, findet auch mit den aktuell zur Verfügung stehenden Möglichkeiten Wege, in Projekten Modelle zu verwenden und sich die Leistung auch vergüten zu lassen. Die Gesetzgebung kann hier natürlich Rahmenbedingungen schaffen, die ein Durchsetzen beschleunigen und mich dabei entlasten, nur über das Inno-
vationsargument Mitstreiter zu gewinnen. Für viele Anderen braucht es eventuell Impulse und Vereinfachungen durch alle oben genannten Punkte. Wer will, der kann aber auch heute schon.

Die Integrale Planung als Plattform zum Austausch
Jörg Gamperling: Der  HeizungsJournalverlag  bietet  mit  der  Edition „Integrale Planung“ dem Thema erstmals eine Plattform, die in die baufachliche Breite geht und damit unter anderem zugleich dem Thema „Teamorientiertes Planen und Bauen“  ein  Forum  gibt.  Welche  Potentiale  sehen  Sie  in dieser Thematik?

Tobias Schneider: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Erstausgabe der Integralen Planung! Bei diesem Thema sehe ich das Potential, Synergieeffekte aufzugreifen und verstärkt zu nutzen. Wir sehen das als ein essenzieller Bestandteil – vor allem bei Großprojekten. Durch die lange Planungszeit, die Komplexität und Anforderungen ist es oftmals ein monotoner Planungsvorgang, welcher durch ein Planungsteam aufgehoben wird. So können durch andere Ansichten oder auch neutrale Bewertungen die Themen und Knotenpunkte nochmals beleuchtet werden. Das dient letztlich dem Gesamtergebnis: Die Fehlerquote auf der Baustelle einzuschränken und den Kunden nachhaltig zufrieden zu stellen.

Quellen:

  1. http://www.heizungsjournal.de/publikationen/integrale-planung.html

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